
Glockenmuseum Apolda
Sonderausstellungen Aktuell
Projekt
15. Januar – 09. April 2012
HIER UND WEG
Apolda-Projekt mit Apoldaer Stadtpflanzen, Wunschkonzert und Torte

- ein Kunstprojekt zu den Zukunftschancen einer Stadt
von Sandy Craus (Köln/ Apolda) in Zusammenarbeit mit Apoldaer Jugendlichen
Apolda - einst das „Manchester Thüringens“ - hat heute Strukturprobleme, gepaart mit einer ungünstigen demographischen Entwicklung zu bewältigen. Dies fällt nicht leicht.
Den Besucher empfängt eine Kleinstadt, deren Liebenswürdigkeit sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Ein Stadtbild, das geprägt ist von einer interessanten, zur Zeit ihrer Entstehung sehr modernen Industriearchitektur, heute zum großen Teil ungenutzt und mit marodem Charme, prächtigen Fabrikantenvillen sowie den kleinen Bürgerhäusern der Handwerksmeister und Heimarbeiter. Ein wacher Blick entdeckt Schönes und Bemerkenswertes an den Schauseiten und an den Rückfassaden. Eine Stadt, deren Entwicklungsmöglichkeiten dem Fremden wohl offensichtlicher erscheinen als dem hier Beheimateten.
Die Künstlerin Sandy Craus erforschte im vergangenen Jahr im Dialog mit Apoldaer Bürgern deren Gedanken, Standpunkte und Meinungen – Apoldaer Ansichten:
Wie und wo gelingt die Identifikation mit der eigenen Stadt?
Wie könnte sich Apolda entwickeln?
Worin liegen die Perspektiven der Apoldaer Jugendlichen?
Welche Gründe sprechen für ein „WEGGEHEN“, welche für das „HIERBLEIBEN“?
In Workshops regte Sandy Craus die Jugendlichen dazu an, in ihre Zukunft zu blicken. Die Zukunft einer Stadt wird von ihren Bewohner gestaltet. Die Jugendlichen wurden ermutigt, über diese Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken. Gemeinsam wurden Fragestellungen für Gespräche mit Apoldaer Bürgern formuliert. In Interviews schilderten die Jugendlichen, was sie sich vorstellen, was sie wollen und was sie tun dafür können. In animierten Videoclipskizzen brachten sie ihre Wünsche zum Ausdruck.
HIER und/ oder WEG? Die Ausstellung lässt die Antwort auf diese Frage bewusst offen. Die Besucher sollen sich angesprochen fühlen und ihre „Apoldaer Ansichten“ in die Ausstellung einbringen.
Nicht ohne Humor führt die Künstlerin die Gäste vom „Wunschkonzert“ bis zur Installation „Karten auf den Tisch“. Wo während der Eröffnung noch eine Torte den Beginn versüßt - werden im Verlauf der Ausstellung Projekte vorgestellt und Vorträge innerhalb der Veranstaltungsreihe „Gelber Montag im Museum“ gehalten.
„Hier und Weg“ versteht sich als ein Angebot zu intensiver Kommunikation und Vernetzung im Sinne einer positiven identitätsstiftenden Grundeinstellung der Apoldaer Bürger zu ihrer Stadt.
„HIER und WEG“ ist ein Pilotprojekt, das durch die freundliche Unterstützung durch die Stadt Apolda, das Mehrgenerationenhaus Apolda, den Nachbarschaftshilfe e.V. und das Foto-Studio-Neumann entwickelt und in Zusammenarbeit mit Apoldaer Schulen sowie dem Jugendklub „Tomate“ Apolda realisiert werden konnte.
HIER und WEG
weil in den nischen möglichkeiten wachsen
weil die wege kurz sind
weil viel wollen ist
weil "auf gute Nachbarschaft!"
weil das alte verstaubt
weil das JETZT zaudert
weil es in den niederungen sumpfig ist
weil worte nicht taten ersetzen
weil der funke springt
weil bilder gedanken beflügeln
weil die Zukunft hervorglänzt
hie und da
weil ich immer weg wollte
weil mich verbindet, was ich nicht dachte
weil ich suche, was mir fehlte
weil andere bleiben
wollen/ sollen
Sandy Craus (Köln und Apolda)
Installation, Intervention, Objekt, Performance, Fotografie, Video



